Diagnostik und Therapie der Osteoporose: Die DXA-Knochendichtemessung
Ein stabiles Skelettsystem ist die biomechanische Grundvoraussetzung für Mobilität und körperliche Belastbarkeit. In der orthopädischen Praxis stellt die frühzeitige Erkennung von Veränderungen der Knochenmikroarchitektur einen essenziellen Baustein der Frakturprävention dar. Auf dieser Seite erfährst du detailliert, wie die medizinisch anerkannte Diagnostik abläuft und welche therapeutischen Interventionen bei einem verminderten Knochenmineralgehalt indiziert sind.
Was ist Osteoporose? Pathophysiologie und klinische Relevanz
Osteoporose, im Volksmund auch „Knochenschwund“ genannt, ist eine Stoffwechselerkrankung des Skeletts mit Auswirkungen auf die Muskulatur und den gesamten Bewegungsapparat. Sie ist gekennzeichnet durch eine Verminderung an Knochenmasse und eine Verschlechterung der Knochenarchitektur.
Knochen ist ein dynamisches Gewebe, das einem permanenten Umbauprozess durch Knochenaufbauzellen (Osteoblasten) und Knochenabbauzellen (Osteoklasten) unterliegt. Überwiegt die Aktivität der Osteoklasten, sinkt die Knochendichte. Daraus resultiert eine erhöhte Knochenbrüchigkeit. Bereits kleinere Stürze und selbst alltägliche Handgriffe wie Heben und Tragen können zum Knochenbruch führen, vor allem an den Wirbelkörpern der Wirbelsäule, den Unterarmen oder den Oberschenkelknochen.
Osteoporose wird auch häufig als „schleichende“ bzw. „stille“ Erkrankung bezeichnet. Das Tückische an dieser Pathologie ist der asymptomatische Verlauf in den frühen Stadien. Der strukturelle Abbau verursacht initial keine Schmerzen, weshalb Frakturen oft das erste klinische Zeichen darstellen.
Epidemiologie: Wer kann von Osteoporose betroffen sein?
Die Demografie der Erkrankung zeigt klare Prävalenzen, schließt jedoch jüngere Patientenkohorten oder Männer nicht aus.
- Osteoporose tritt häufig bei Frauen nach den Wechseljahren und im höheren Lebensalter auch bei Männern auf.
- In Deutschland sind heute etwa jede dritte Frau und jeder fünfte Mann ab dem 50. Lebensjahr betroffen.
Der abrupte Abfall des Östrogenspiegels in der Menopause führt bei Frauen zu einem beschleunigten Knochenabbau, da Östrogen eine hemmende Wirkung auf die Osteoklasten ausübt. Bei Männern verläuft der altersbedingte Testosteronabfall gradueller, weshalb osteoporotische Frakturen meist erst in einer späteren Lebensdekade auftreten.

Evidenzbasierte Risikofaktoren
Die Genese der Osteoporose ist multifaktoriell.
Eine präzise Anamnese evaluiert die folgenden, klinisch validierten Risikofaktoren:
- Familiäre Belastung oder Geschlecht.
- Früher Eintritt der letzten Regelblutung.
- Unausgewogene Ernährung z.B. niedrige Kalziumaufnahme.
- Untergewicht oder ungewollter Gewichtsverlust.
- Übermäßiger Tabak- und Alkoholkonsum.
- Zuvor erlittene Knochenbrüche.
- Bewegungsmangel und erhöhtes Sturzrisiko.
- Verschiedene Medikamente (z.B. Magensäurehemmer, blutzuckersenkende Mittel, Cortison u.a.).
- Nierenerkrankungen.
- Körpergrößenverlust > 4 cm.
Wie macht sich Osteoporose bemerkbar?
Wenn die Mikroarchitektur des Knochens mechanisch insuffizient wird, treten spezifische klinische Symptome auf. Symptome für das Vorliegen einer Osteoporose können u.a. sein:
- Chronischer Rückenschmerz.
- Abnehmende Körpergröße.
- Rundrücken (sog. „Witwenbuckel“).
- Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit.
- Vermehrte Knochenbrüche ohne äußere Einwirkung.
Der chronische Rückenschmerz resultiert häufig aus stummen Sinterungsfrakturen. Hierbei brechen Wirbelkörper unter der alltäglichen axialen Last in sich zusammen. Dies führt zu einer Keilwirbelbildung, welche den charakteristischen Rundrücken und den messbaren Verlust der Körpergröße verursacht.
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Diagnostik: Die DXA-Knochendichtemessung
Eine Möglichkeit, um Knochenbrüchen vorzubeugen, ist die frühzeitige Knochendichtemessung mit dem DXA-Verfahren. DXA steht für Dual-Energy X-ray Absorptiometry. Dabei wird mithilfe einer speziellen Röntgentechnik mit sehr geringer Röntgenstrahlung der Mineralgehalt der Knochen bestimmt.
Dieser Knochenmineralgehalt steht in direkter Beziehung zur Knochenfestigkeit. Das Messgerät sendet Röntgenstrahlen in zwei unterschiedlichen Energieniveaus durch den Körper. Da Knochen und Weichteilgewebe die Strahlung unterschiedlich stark absorbieren, lässt sich die Knochenflächendichte hochpräzise berechnen.
Wie sicher ist die Messmethode?
Zurzeit ist die DXA-Methode die einzige sowohl von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als auch von der DGO (Deutsche Gesellschaft Osteologie) anerkannte Messmethode zur Diagnose der Osteoporose. Die Strahlendisposition ist minimal. Die während einer Untersuchung verabreichte Strahlendosis ist vergleichbar mit der Dosismenge, die jeder Mensch im Laufe einer Woche als natürliche Strahlung erhält.
Ganzheitliche Risikoevaluation
Eine Knochendichtemessung kann nicht exakt einen Knochenbruch vorhersagen. Dennoch sagt ein entsprechender Knochendichtewert etwas über das Frakturrisiko im Vergleich zu einem normalen Knochen im Altersvergleich aus. Ihr persönliches Gesamtrisiko ergibt sich dann in Verbindung mit weiteren Untersuchungsbefunden. Daneben gehören zur Diagnose eine körperliche Untersuchung sowie gegebenenfalls Labor und Röntgenuntersuchungen, die bei Bedarf von Ihrem Arzt angeordnet werden.
Wie wird die Messung in der Praxis durchgefürt?
Der Ablauf ist standardisiert, schmerzfrei und erfordert keine spezielle Vorbereitung.
- Das Gerät sieht wie eine große Untersuchungsliege aus.
- Die Untersuchung selbst dauert, je nach zu untersuchender Körperregion, 1 bis 10 Minuten.
- Dabei können Sie ganz normal, ruhig atmen.
- Das Auswertungsprogramm ist in der Lage zu unterscheiden, wie viel Knochenmineralgehalt vorhanden ist.
- Dabei ist es völlig normal, dass verschiedene Skelettbereiche unterschiedliche Dichtewerte aufweisen können.
Die medizinische Auswertung erfolgt in der Regel über den T-Score. Dieser Wert gibt die Standardabweichung der gemessenen Knochendichte im Vergleich zu einem gesunden, 30-jährigen Erwachsenen an. Gemäß WHO-Definition liegt eine Osteoporose vor, wenn der T-Score bei -2,5 oder darunter liegt.
Prävention und Therapie: Ist Osteoporose behandelbar?
Knochenschwund ist gut behandelbar. Die Therapie kombiniert knochenaufbauende Medikamente mit kalzium- und vitamin-D-reicher Ernährung sowie gezieltem Krafttraining. Mechanische Belastung ist der wichtigste Reiz für die Knochenneubildung, weshalb Physiotherapie und Sport essenziell sind.
